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MAGENSCHRITTMACHER - IMPLANTIERBARER GASTROSTIMULATOR (IGS®) SYSTEM

 

Prinzipiell gibt es keinen Unterschied in der Indikation zum Magenband. Ein zu erwartender Gewichtsverlust von maximal 30% lässt den Einsatz bei einem höheren BMI > 45 fragwürdig erscheinen. Allerdings wurden Operation in der Vergangenheit nur im Rahmen von Studien durchgeführt. Zusammenfassend ist das System sehr teuer, da keine Kasse dieses System bezahlt und zum Tausch der Batterien erneute Operationen notwendig sind.

 

Das IGS-System besteht aus einem Implantierbaren Gastrostimulator (IGS) und einem Leitungsdraht (siehe Abb. 1) sowie einem für den Arzt bestimmten Programmiergerät, Lesestift und Softwarepaket. Der IGS ist ungefähr so groß wie eine Taschenuhr (60 mm x 54 mm x 10,3 mm) und wiegt ca. 55 g. Der Leitungsdraht hat einen Durchmesser von 3 mm und eine Länge von 38,5 cm.

 
 

IGS und Leitungsdraht bestehen aus Materialien und Komponenten höchster Qualität, die schon seit langer Zeit in anderen implantierbaren elektronischen Geräten verwendet werden. Die Materialien sind mit dem menschlichen Körper biokompatibel, d. h. sie sollten keine allergische Reaktion hervorrufen. Die Geräte werden in sterilem Zustand in den Körper des Patienten eingepflanzt.

 

Der IGS enthält eine Batterie sowie elektrische Schaltkreise, mit deren Hilfe elektrische Impulse erzeugt und über den Leitungsdraht zum Magen des Patienten geleitet werden. Der Leitungsdraht ist ein isolierter elektrischer Draht mit zwei in der Nähe der Spitze angebrachten Elektroden. Die Elektroden werden in der Muskulatur der Magenwand befestigt. Der IGS wird unter dem Brustkorb in eine flache Tasche in der Bauchwand gelegt (siehe Abb. 2 und 3). Er kann auch wie ein Herzschrittmacher unter der Haut der Brustwand angebracht werden. Mit dem IGS-Programmiergerät, dem IGS-Lesestift und der Software, die in der Arztpraxis oder im Krankenhaus bleiben, wird der Betrieb des IGS programmiert, eingestellt und beobachtet.

 
 
Die Implantation des IGS und des Leitungsdrahtes ist ein chirurgischer Eingriff, der im Normalfall weniger als eine Stunde dauert. Der Patient muß während der Operation in Vollnarkose sein. Sie erhalten von Ihrem Arzt spezielle Anweisungen zur Vorbereitung auf die Operation. Die Einpflanzung des IGS erfolgt mit Hilfe eines Laparoskops. Dabei handelt es sich um einen langen, dünnen Schlauch mit einer Kamera zur Beobachtung der inneren Organe, der durch kleine Öffnungen im Bauch des Patienten eingeführt werden kann. Damit kann Ihr Arzt die Operation ohne große Einschnitte durchführen.

 

Obwohl der IGS im Normalfall mit Hilfe eines Laparoskops eingepflanzt wird, kann aus technischen Gründen oder aufgrund von unvorhergesehenen, bei der Operation eintretenden Ereignissen ein komplizierterer, unter der Bezeichnung offene Laparotomie bekannter Eingriff notwendig sein. Dieser Eingriff ist schwieriger und erhöht das Risiko von Wundinfektionen und Narbenbrüchen, die weitere Operationen erforderlich machen könnten.

 

Sobald sich der Patient im Operationssaal befindet, werden vier "Eingänge" auf seinem Magen markiert. Einer ist für die Kamera, ein anderer für den Leber-Retraktor bestimmt, und zwei dienen dem Chirurgen zur Plazierung des Leitungsdrahtes und Gerätes. Zuerst wird der Leitungsdraht implantiert, der dann an den IGS angeschlossen wird. Der Arzt überprüft mit dem Programmiergerät und der Software, daß beide Komponenten richtig funktionieren. Die Batterie und die Elektronik des IGS werden getestet. Der Arzt überprüft außerdem, ob die stimulierenden Impulse richtig zwischen den beiden Elektroden quer über die Magenmuskulatur fließen. Am Ende der Operation wird der IGS so programmiert, daß er ausgeschaltet bleibt, damit sich die Magenwand vor der Stimulation erholen kann. Danach werden die Produktnummer des Gerätes und das Implantationsdatum programmiert, und der IGS wird in eine Tasche im Bauch oder in der Brust des Patienten eingepflanzt. Bei unkompliziertem Verlauf der Operation und der postoperativen Erholung kann der Patient innerhalb von 24 Stunden nach der Operation entlassen werden.

 

Sie können im Normalfall innerhalb von 30 Minuten nach dem Verlassen der Aufwachstation aufstehen und zu gehen anfangen. Das medizinische Personal wird Ihnen jederzeit behilflich sein. Sie sollten sich bereits duschen können, wenn Sie aus dem Krankenhaus entlassen werden. Vor Ihrer Entlassung wird unter Umständen der obere Magen-Darm-Bereich geröntgt, um die Position der IGS-Komponenten zu bestimmen und sicherzustellen, daß es zu keiner Durchbohrung aller Magenschichten kam. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus werden Sie dazu aufgefordert, Ihre tägliche Gehdistanz schrittweise zu erhöhen. Sie sollten allerdings vom Bücken, Heben schwerer Gegenstände sowie von anstrengender sportlicher Betätigung Abstand nehmen, solange dies von Ihrem Arzt verboten wird. Wenn der Arzt die Einschnitte mit kleinen Pflasterzugverbänden geschlossen hat, werden Sie wahrscheinlich angewiesen, diese am zehnten Tag nach der Operation zu entfernen.

 

Sie sollten sich in der Genesungsphase nach der Operation allmählich besser fühlen. Suchen Sie unverzüglich den Arzt auf, falls die Genesung stagniert und Sie anfangen, sich schlechter zu fühlen, oder falls Sie nach der Operation eines der folgenden Symptome bemerken:

 

+ Schwellung, erhöhte Druckempfindlichkeit, Rötung oder Brennen im Bereich

   des implantierten IGS;

+ Fieber, Schüttelfrost oder ein allgemeines, unerklärliches Krankheitsgefühl;

+ Anhaltender Durchfall und/oder Brechreiz bzw. anhaltendes Erbrechen.

 

Sie erhalten bei Entlassung aus dem Krankenhaus einen vorläufigen Ausweis, den Sie immer bei sich tragen müssen (siehe Seite 5). Innerhalb von zwei Monaten nach der Operation erhalten Sie einen ständigen Ausweis.

 

Wenn Sie das Krankenhaus verlassen, ist der IGS so programmiert, daß er ausgeschaltet bleibt, damit sich Ihr Magen erholen kann. Nach ein bis vier Wochen werden Sie von Ihrem Arzt zu einer Kontrolluntersuchung bestellt, bei der das Gerät auf das Aussenden elektrischer Impulse programmiert wird.

 

Bei Ihrem ersten Arztbesuch nach der Operation werden die Schnittwunden kontrolliert, um sicherzustellen, daß sie richtig heilen. Ihr Gewicht und Blutdruck werden gemessen. Es wird Ihnen Blut für Laboruntersuchungen abgenommen. Das Gerät wird überprüft, um sicherzustellen, daß es richtig funktioniert. Bei diesem Besuch wird das Gerät auf das Aussenden von stimulierenden Impulsen programmiert.

 

Nach diesem ersten Arztbesuch werden Sie mindestens einmal pro Jahr zu einer Kontrolluntersuchung bestellt.

 

Der Gastrostimulator wird mit der entsprechenden Seite nach oben eingepflanzt, damit eine einwandfreie Kommunikation mit dem Programmiergerät in der Arztpraxis gewährleistet wird. Sie dürfen das unter der Haut liegende Gerät niemals bewegen, verbiegen oder verdrehen. Dies könnte eine Beschädigung des Leitungsdrahtes und/oder der Leitungsverbindung zur Folge haben. Normale Körperbewegungen sollten den Leitungsdraht, der vom IGS zu den in Ihrer Magenwand implantierten Elektroden führt, nicht beschädigen.

 

Die meisten Patienten fühlen nichts während einer Gastrostimulation. Falls Sie im Bereich, in dem das Gerät eingepflanzt wurde, ein Kribbeln verspüren, sollten Sie Ihren Arzt informieren. Jede Person reagiert anders auf die Gastrostimulation. Sie sollten Ihre Beobachtungen dem Arzt mitteilen. Nachdem das Gerät auf die Aussendung stimulierender Impulse programmiert wurde, sollten Sie feststellen, daß Sie sich mit weniger Nahrung satt fühlen als zuvor. Sie müssen sich keine Sorgen machen, daß Sie unterernährt werden, da es bei der Gastrostimulation im Gegensatz zur Darm-Bypass-Operation, die als Therapiemaßnahme bei fettleibigen Patienten durchgeführt wird, zu keiner Störung der Nährstoffaufnahme kommt. Wenn Sie sich ausgeglichen ernähren und an keiner Krankheit leiden, die die Aufnahme von Nahrung beeinträchtigt, gibt es keinen Grund, warum Sie unterernährt werden sollten. Gastrostimulation kann Sodbrennen, Magenknurren, unangenehme Empfindungen infolge der erhöhten Aktivität des Verdauungssystems sowie einen unregelmäßigen, von Verstopfung bis Durchfall reichenden, Stuhlgang zur Folge haben. Sie werden sich u. U. unwohl fühlen, wenn Sie zu viel essen, und bestimmte Nahrungsmittel, die Sie früher problemlos essen konnten, nicht mehr vertragen. Im allgemeinen sollten diese Nebenerscheinungen unbedenklich sein. Wenn Sie jedoch über Nebenwirkungen der Therapie besorgt sind, suchen Sie Ihren Arzt auf. Nach und nach sollten Sie mit Hilfe Ihres IGS langsam Gewicht abnehmen. Das Ausmaß der Gewichtsreduktion ist je nach Patient verschieden. Jüngere Patienten, Patienten, die körperlich aktiver sind und Patienten, die sich fettarm ernähren (weniger als 30 % Fett), nehmen stärker ab. Ältere und weniger aktive Patienten sowie Personen mit einer fetthaltigen Ernährung nehmen erwartungsgemäß weniger ab.

 

Beachten Sie, daß das Risiko der Gallensteinbildung in Zeiten einer Gewichtsabnahme größer ist. Dabei spielt es keine Rolle, welche Methode zur Gewichtsreduktion verwendet wird. Krankheiten wie Diabetes (Blutzuckererkrankung), schwächen das Immunsystem. Bei einem geschwächten Immunsystem steigt das Infektionsrisiko im Zusammenhang mit dem Implantat. Ein infizierter IGS muß entfernt werden, damit die Infektion erfolgreich behandelt werden kann. Sollten Sie sich später einer anderen Operation unterziehen müssen, ist es wichtig, den Arzt oder Zahnarzt darüber zu informieren, daß Sie einen Gastrostimulator tragen. Sie müssen dem Arzt oder Zahnarzt die entsprechende Kontaktadresse mitteilen, damit er mit dem Arzt, der das IGS implantiert hat, in Verbindung treten kann.

 

Sie dürfen sich nach der Implantation des IGS keiner Kernspintomographie (MRT) unterziehen. Es kann jedoch problemlos eine konventionelle Röntgenuntersuchung oder Computertomographie durchgeführt werden. Sollten Sie sich einer Kernspintomographie unterzogen haben, lassen Sie den IGS so schnell wie möglich von Ihrem Arzt überprüfen, da er u. U. neu programmiert werden muß.

 
Quelle: Dr. Karl Miller und Prof. Dr. R. A. Weiner